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Gibt es einen Zusammenhang zwischen unserem Wirtschaftssystem und der COVID-19 Pandemie?

Quelle: Pixabay

Laut einem Artikel des Weltrat für Biologische Vielfalt IPBES gibt es einen ganz klaren Zusammenhang zwischen der aktuellen COVID-19-Pandemie und unserer wirtschaftlichen Tätigkeit.

So wie die Klima- und Biodiversitätskrise sind die jüngsten Pandemien eine direkte Folge menschlicher Aktivitäten – insbesondere unserer globalen Finanz- und
Wirtschaftssysteme
, die dem Paradigma eines maximalen Wachstums bislang um jeden Preis folgen. Um die […] gegenwärtigen Krise zu bewältigen, […] bleibt uns nur ein kleines Zeitfenster.

Und das könnte erst der Anfang sein.

Mehr als 70 Prozent aller neu auftretenden Krankheiten, von denen Menschen betroffen sind, haben ihren Ursprung in wilden oder domestizierten Tieren.

Ungebremste Abholzung, unkontrollierte Ausdehnung der Landwirtschaft, intensive
Landnutzung, Bergbau und Infrastrukturentwicklung sowie die Ausbeutung wildlebender Arten haben geradezu perfekte Bedingungen dafür geschaffen, dass Krankheitserreger von der Tierwelt auf den Menschen übergreifen.

Man geht davon aus, dass bei Säugetieren und Wasservögeln noch immer 1,7 Millionen nicht identifizierte Viren existieren, die Menschen potenziell infizieren können.

Pandemien werden mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig häufiger auftreten, sich schneller ausbreiten, größere wirtschaftliche Auswirkungen haben und mehr Menschen töten, wenn wir jetzt nicht die richtigen Entscheidungen treffen.

Im Bericht werden drei wichtige Gesichtspunkte genannt, die bei den milliardenschweren Konjunktur- und Rettungsprogrammen im Mittelpunkt stehen sollten:

  • Gesetze zum Schutz der Umwelt einhalten und stärken, sowie das Schnüren von Konjunkturpaketen, die Anreize für nachhaltiges und naturfreundliches Wirtschaften bieten.
  • „One-Health-Ansatz“ auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung – lokal bis global. Das bedeutet, den Zusammenhang zwischen menschlicher Gesundheit und dem Zustand unserer Umwelt anzuerkennen und dies bei Entwicklungsmaßnahmen zu berücksichtigen.
  • Gesundheitssysteme der Regionen mit den höchsten Pandemie-Risiken stärken.

Außerdem wird erwähnt, dass wir einen transformativen Wandel brauchen.

Dieser Wandel umfasst eine grundlegende, systemweite Reorganisation über technologische, wirtschaftliche und soziale Faktoren hinweg, einschließlich Paradigmen, Zielen und Werten. Es gilt die soziale und ökologische Verantwortung in allen Sektoren zu fördern. So entmutigend und kostspielig dies auch klingen mag – es verblasst im Vergleich zu dem Preis, den wir bereits zahlen.

Die Reaktion auf die COVID-19-Krise verlangt von uns allen, dass wir uns mit den
Eigeninteressen auseinandersetzen, die einem transformativen Wandel entgegenstehen, und dass wir das “business as usual” beenden. Wir können gestärkt und widerstandsfähiger denn je aus der gegenwärtigen Krise hervorgehen. Dazu müssen wir uns aber für Politiken und Maßnahmen entscheiden, die die Natur schützen – damit die Natur uns helfen kann, uns zu schützen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Genau für diesen Wandel setzen wir uns ein. Die Gemeinwohl-Ökonomie hat das Potential, einen wichtigen Beitrag zu diesem Wandel zu leisten.

Die Wirtschaft hangelt sich von Krise zu Krise, soziale Ungleichheit nimmt zu, unser Klima droht zu kollabieren, Pandemien werden zunehmen, Millionen Spezies werden aussterben – wie lange wollen wir noch zusehen?